AKTUELLStellungnahme

Nachts im Zoo von Osnabrück und danach im Modehaus in Bohmte

By April 7, 2021Juni 17th, 2021No Comments

Die Herausforderung bei technischen Lösungen, die sensible Nutzerdaten verarbeiten und gleichzeitig möglichst präzise Daten zur Pandemiebekämpfung liefern sollen: Systeme können umgangen werden, Nutzer:innen können sie missbrauchen – und nachts im Zoo in Osnabrück einchecken. Ja, das geht mit der luca App. Sinn macht es nicht. Und es betrifft nicht die Sicherheit der Daten von Nutzer:innen oder Betreiber:innen der luca App. 
Der Schaden ist überschaubar.

Worum geht es: 

Wenn ein Check-in QR-Code einer Location, wie hier vom Zoo in Osnabrück, öffentlich bekannt ist, können Nutzer:innen ihn einscannen und sich auch von zu Hause dort einchecken. Alternativ müsste man die GPS Daten verpflichtend überprüfen. Das würde unserer Idee der Datensparsamkeit jedoch widersprechen, weshalb luca das nicht umsetzen möchte. luca setzt daher lieber auf Datensparsamkeit und Eigenverantwortung. Wichtig dabei, Nutzer:innen können sich nur in einer Location zeitgleich registrieren.

Entsteht dabei ein Schaden? 

Kein Gesundheitsamt der Welt wird 100 Leute kontaktieren, die nachts in einem Zoo waren. Das Gesundheitsamt würde die Datenfreigabe mit ziemlicher Sicherheit beim Zoo gar nicht anfordern. 

Wahrscheinlich wird das Gesundheitsamt sogar in einem realen Infektionsfall keine 800 Besucher:innen eines Zoos kontaktieren, weil ein positiv getesteter Gast vor Ort war. 

Treten aber zwei, drei oder mehr Fälle auf, die alle zugleich vor Ort waren – und das Gesundheitsamt erhält Zugriff nach einer Freigabe der Einrichtung – dann wird es wahrscheinlich andere Besucher:innen kontaktieren oder die Hygieneregeln vor Ort überprüfen und Schwachstellen identifizieren. 

Die betroffenen Besucher:innen erhalten dann umgehend eine Warnung in der App und können sich entsprechend verhalten. Im allerschlimmsten Fall geht man einmal umsonst zum Testen. Und wir wissen ja, kein Test ist ein Test zu viel.

Wer die App also missbraucht, erhält im schlimmsten Fall eine Warnmeldung zu viel. Das Gesundheitsamt erhält einen unbrauchbaren Datensatz. Aber viele andere, die das System redlich genutzt haben werden eben auch gewarnt. Und können sich verantwortungsvoll verhalten.

Und natürlich kann man sich kurze Zeit später auch im Modegeschäft in Niedersachsen einchecken. Das System prüft nicht, wo Nutzer:innen vorher waren, weil eben keine Besuchshistorien im System sichtbar und auswertbar sind. Auch das würde der Idee der Datensparsamkeit widersprechen.

Was bedeutet das: 

luca ist eine technische Unterstützung von vielen in der Bekämpfung der Pandemie. Wir kennen alle das Modell der Käsescheiben, die aneinander gereiht werden. Jede Scheibe hat Löcher, aber hintereinander wird der Käse dicht. Natürlich kann luca missbräuchlich genutzt werden. Masken können richtig oder falsch getragen werden, Quarantäneanordnungen können umgangen werden, Nutzer:innen können ihre Testergebnisse in die CWA einspielen oder es lassen. Das hilft uns als Gesellschaft aber nicht aus der Pandemie herauszukommen. Es ist an uns Allen verantwortungsvoll mit den Hilfsmitteln umzugehen, die zur Pandemiebekämpfung zur Verfügung stehen. Anders ist diese Pandemie nicht in den Griff zu kriegen.