AKTUELL

Stellungnahme zur Spiegel-Abfrage bei Gesundheitsämtern


21 Jan 2022

In seiner aktuellen Ausgabe trifft der Spiegel Aussagen über luca, die auf einer sehr lückenhaften Abfrage einiger Gesundheitsämter beruhen. Die dort genannten Zahlen können wir nicht nachvollziehen, da sie nicht vollständig sind und leider nur verzerrt wiedergegeben werden.

Es gibt 375 Gesundheitsämter in Deutschland. Deutlich weniger als die Hälfte hat dem Spiegel nach seinen eigenen Angaben Daten geliefert. Wir kennen die Datengrundlage nicht, lesen die Angaben aber so: Lediglich 131 Gesundheitsämter haben sich zur Nutzung geäußert, darunter offenbar 54, die gar nicht aktiv sind. Es wird nicht deutlich, ob diese Rückmeldungen aus Ländern wie NRW stammen, wo es seit Sommer gar keine Nachverfolgung mehr gibt oder aus Ländern, die gar keine luca Verträge haben. Die Abfrage von Gesundheitsämtern, die aufgrund der Entscheidung ihres Bundeslandes gar keine Kontaktverfolgung mehr betreiben, würde keinen Mehrwert liefern. Die weitere Analyse der Nutzung geht möglicherweise nur auf 77 Gesundheitsämter zurück, die sich geäußert haben. Das ist aus unserer Sicht wenig aussagekräftig für die Gesamtheit. Wir gehen darüber hinaus davon aus, dass Gesundheitsämter, die aktiv Kontaktnachverfolgung betreiben eher zu denjenigen zählen, die sich auf eine Anfrage nicht rechtzeitig zurückmelden und außerdem nicht die Details der Nutzung aller Systeme historisch protokollieren.

Was wir definitiv sagen können: Von Mai 2021 bis Januar 2022 wurden von den angeschlossenen Gesundheitsämtern rund 550.000 qualifizierte Warnhinweise über luca verschickt. Qualifiziert deshalb, weil die Gesundheitsämter zuvor die Gegebenheiten vor Ort geprüft und sich aktiv für einen Warnhinweis entschieden haben, mit Angabe der Zeit und des Ortes einer möglichen Infektion. Das ist auch der wesentliche Unterschied zur CWA, die auch dann einen Warnhinweis anzeigen würde, wenn man beispielsweise mit einer positiv getesteten Person längere Zeit im Freien in derselben Schlange eines Testcenters steht.

Wir stellen uns gerne jeder Kritik und würden gerne einen Beitrag leisten, dass Einschätzungen auf einer repräsentativen Datenbasis getroffen werden. Außerdem wollen wir einen konstruktiven Dialog darüber führen, wie wir luca zu einem noch besseren Mittel der Pandemiebekämpfung machen und das Gesundheitssystem weiter digitalisieren und die Gesundheitsämter entlasten können. Wenn Bundesländer sich dafür entscheiden, keine Kontaktnachverfolgung anzuordnen, weil die Inzidenzen zu hoch sind, um nachzukommen, dann ist das eine Entscheidung, die wir respektieren. Das ändert aber nichts daran, dass luca für Bundesländer und Gesundheitsämter, die aktiv Kontakte nachverfolgen und qualifizierte Einschätzungen, bspw. zum Risiko eines Veranstaltungsortes, treffen wollen, das beste Tool ist. Diese intelligenten und informierten Entscheidungen gehen mit der Corona-Warn-App nicht, daher braucht es beide Tools.

luca ist eine Innovation, die auf die Initiative von Bürgern zurückgeht, die Abhilfe bei der Zettelwirtschaft in Gastronomien und bei Veranstaltungen schaffen wollten und sich eingebracht haben. Gemeinsam mit den Gesundheitsämtern haben wir in Rekordzeit einen der erfolgskritischsten Bereiche der Pandemie in einem überschaubaren Kostenrahmen digitalisiert – und das auf hohem Datenschutz-Niveau. Auch mit Blick auf einen endemischen Zustand, an dem es wieder lokale Ausbrüche geben kann, die von Gesundheitsämtern dann wieder in ihrem Risiko eingeschätzt und nachverfolgt werden müssen, wird luca ein Instrument sein, das hilft. Wir wollen auf diesem Pfad der Innovation weitergehen, und Bundesländern und Gesundheitsämtern, die Kontakte nachverfolgen wollen, und Gastronomie und Veranstaltern, die digitale Lösungen brauchen, mit unserer Expertise und unserem Einsatz weiterhelfen.